Neu im Choreografentrio ist dieses Jahr Marlen Schumann mit der Premiere des Tanzstückes „Wie von Sinnen“. Die Produktionen „Rötel“ von Irina Pauls und „Winter“ von Martina La Bonté werden in neuer Besetzung getanzt. Die Tänzer erzählen von rötlich gefärbten Erlebnissen, sinnlichen Erfahrungen und winterlichen Stimmungen...
Alle drei Choreografen von „Company & Friends“ haben nationale und internationale Erfahrungen gesammelt - leben und arbeiten zur Zeit in Leipzig. Ihre Kommunikation mit dem Publikum erfolgt über zeitgenössischen, dynamischen Tanz, der sich in verschiedensten Facetten äußert und ihre heterogenen Ideen und Interpretationen von gesellschaftlich relevanten oder persönlichen Themen widerspiegelt.
Rote Erdfarbe gehört zu den Mineralfarben und ist gemischt aus feinschuppigem Roteisenstein, Ton und Kreide. Sie ist weich arbeitend und gut abfärbend. Seit der Renaissance wird Rötel als Stift zum Zeichnen, vor allem für Skizzen und Entwürfe, verwendet. Künstler schätzten den rötlichen Farbstrich. Die Rötelzeichnung ist nicht wischfest und muss fixiert werden.
Im Tanzstück entsteht die Momentaufnahme einer jungen Frau als Ergebnis ihrer sehr verschiedenen Erlebnisse mit rötlicher Färbung. Ihre flüchtigeren oder beständigeren Erfahrungen legen sich wie Schichten übereinander. Sie färben ab, verwischen und setzen sich neu zusammen zu einem besonderen Augenblick...
Tanzstück von: Irina Pauls
Tänzer: Yvonne Anhöck, Katja Barufke, Leonore Bösch, Ronny Hoffmann, Ute Kraus, Ramona Lübke, Lilian Mosquera, Juliane Raschel, Axel Schwemmer, Nora Wroblewski
Dauer: 40 min
Premiere war am 19. Mai 2009
„De Facto gibt es nur einen einzigen wirklich beweisbaren Augenblick unserer Existenz, nämlich den gerade Stattfindenden. Zukunft und Vergangenheit sind nichts weiter als Konstrukte. Genuss ist Momentsache. Insofern hat der moderne Mensch tatsächlich Probleme mit dem Genießen, nämlich damit, sich als lebendiges, fühlendes Wesen wahrzunehmen und nicht als Konstrukt aus Vorstellungen, Anforderungen und Terminen.“ (Frank Schätzing, Autor, in einem Interview mit der Zeitschrift „Galore“)
Genuss ist Momentsache. Und um Genuss erfahren zu können, müssen wir unsere Sinne aktivieren und öffnen. Das bedarf Zeit und Raum. Wenn wir unsere Sinne aber entfalten, werden Dinge spürbar, für die sonst kein Platz ist. Wir schmecken, riechen, fühlen, hören und sehen neu und durcheinander. Der Moment wird wichtig, die Empfindung intensiver, die Zeit verlangsamt. Unser Körper lebt und spürt in Zusammenspiel mit unserem Geist. Und niemand fragt wofür dies gut ist, was das Konzept ist, oder wohin das führen soll. Es ist ganz einfach das Leben im Moment.
Choreografie: Marlen Schumann
Tänzer: Lilian Mosquera, Juliane Raschel, Ute Kraus, Ramona Lübke, Theresa Jacobs, Axel Schwemmer, Elsa Artmann
Dauer: 30 min
Premiere: 17. Februar 2010
Martina La Bonté ließ sich bei ihrer Choreografie „Winter“ von Vivaldis Musik („Vier Jahreszeiten“) inspirieren. Es geht um Nähe, Starre, Beweglichkeit und Schmelzen - Zustände und Stimmungen, die auf verschiedenen Wahrnehmungsebenen und in dynamischen Bildern ihren Ausdruck finden.
Choreografie: Martina La Bonté
Tänzer: Katja Barufke, Leonore Bösch, Ronny Hoffmann, Ute Kraus, Ramona Lübke, Lilian Mosquera, Juliane Raschel, Axel Schwemmer, Nora Wroblewski
Dauer: 20 min
Premiere war am 19. Mai 2009

präsentiert von Irina Pauls, D.C. Dilligence, Company und aktiven Seniorentänzerinnen
Zentrale Themen der Produktion sind die Folgen des demographischen Wandels und die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland. Die Altersverschiebung bedeutet eine zunehmende Belastung für die junge, pflegende Generation. Neben Beruf und Familie muss sie die Rolle der Pflegenden übernehmen. Die Choreografin Irina Pauls möchte diese komplexe Problematik erfühlbar machen. Im Vordergrund des Tanzstücks steht die Auseinandersetzung mit den Emotionen und Bedürfnissen von Pflegebedürftigen wie Pflegenden. Dies hat enorme Auswirkungen auf die familiäre Gemeinschaft. Die Gesellschaft stellt sich auf die so genannten „Best Ager“ als finanzstarke Traumzielgruppe ein. Dahingegen verschwinden Themen der häuslichen Pflege und der Zustände in den Pflegeheimen zunehmenden aus dem öffentlichen Bewusstsein.
Für die Choreografin Irina Pauls ist Alter ein zutiefst körperliches Thema. Der Alterungsprozess und seine Auswirkungen auf das soziale Beziehungsgeflecht der Betroffenen erschließt sich in ihrem Tanzstück folglich vor allem über den Körper und die Bewegung. Durch die Darstellung der verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten wird ein Einblick in die physischen und seelischen Zustände der Figuren vermittelt. Die Musik steht in engem Zusammenhang mit der Umsetzungsidee. In engem Zusammenhang mit der Umsetzungsidee steht eine eigens für das Tanzstück entwickelte Klangkomposition von Matthias Engelke.
Premiere: 11. September 2009 im Leipziger Felsenkeller
Foto: Rolf Arnold
Tanzstück von: Irina Pauls
Komposition: Matthias Engelke
Bühne: Horst Vogelgesang
Kostüme / Maske: Ricarda Knödler
Live-Musik: Eduard Funkner
Licht: Carsten Rüger
Operator: Konrad Anger
Sprecher: Matthias Hummitzsch
D.C. Dilligence: Unita Gay Galiluyo, Déborah Hofstetter, Mónica Muñoz Marín, Fernando Nicolás Pelliccioli, Marco Volta
Company des LTT
Seniorentänzerinnen aus Leipzig, Markkleeberg u. Böhlen
Premiere war am 11. September 2009 in Leipzig.
Neuauflage: 23.-26. September 2010 in der Schaubühne Lindenfels in Leipzig
Fotos: Rolf Arnold